Archiv der Kategorie: Ressourcenmanagement

Umwelt und Frieden zusammendenken: Environmental Peacebuilding als Chance für die deutsche Friedens- und Entwicklungspolitik

Von Rebecca Froese und Janpeter Schilling 

Environmental Peacebuilding verbindet Umweltprojekte mit Friedensförderung. Derzeit nimmt die Bundesregierung den Klimawandel als Konfliktverstärker wahr, sie sollte ihn aber auch als Chance für Kooperation zur Überwindung gemeinsamer Herausforderungen begreifen und Environmental Peacebuilding in die Sicherheits- und Entwicklungspolitik integrieren.

Eine bekannte Weisheit besagt: „Gib einem Mann einen Fisch und du ernährst ihn für einen Tag. Lehre einen Mann zu fischen und du ernährst ihn für sein Leben.“ Hilfe zur Selbsthilfe ist ein wichtiger und richtiger Ansatz – funktioniert aber nur so lange, wie die Ressourcen und Grundstrukturen auf denen die Selbsthilfe aufbaut, vorhanden sind. Trocknet der See aber aus – verschwinden die Ressourcen – muss nach Alternativen gesucht werden. Dabei stellt sich die Frage: „Findet diese Suche friedlich oder gewaltvoll statt? Fragt man politische Entscheidungsträger*innen, scheint ein gewaltvoller Konflikt wahrscheinlicher. Denn in politischen Kreisen werden der Klimawandel und einhergehende Umweltveränderungen zunehmend als Risiko für den Frieden wahrgenommen. In seiner Rede bei der UN-Generaldebatte im September 2019 hielt Außenminister Maas fest: „Wenn die Menschen keinen Zugang mehr zu sauberem Trinkwasser haben, ganze Ernten wegen Dauerdürren ausfallen und Konflikte um die wenigen verbleibenden Ressourcen beginnen, werden die Kriege der Zukunft Klimakriege sein.” Auch die Leitlinien der Bundesregierung zur Krisenprävention und Friedensförderung haben den Klimawandel und gewaltsame Konflikte als zentrale Gefahren für das menschliche Wohlergehen identifiziert.

Umweltveränderungen können Konflikte verschärfen, aber auch Kooperationen entstehen lassen

Die Bundesregierung hat richtig erkannt, dass die klimawandelbedingte Verschlechterung der Umwelt- und Ressourcenlage ein Risiko für den Frieden darstellt. Diese Perspektive ist jedoch einseitig. Zwar legt der aktuelle Stand der Forschung in der Tat nahe, dass der Klimawandel Umweltveränderungen verursacht oder verstärkt und damit Konflikte verschärfen und möglicherweise auch auslösen kann. Dennoch übersieht die deutsche Politik hier zwei zentrale Punkte. Erstens, zwischen dem Klimawandel und Konflikten besteht kein direkter und zwingender Zusammenhang. Zweitens, durch den Klimawandel verstärkte oder ausgelöste Umweltprobleme können als gemeinsame Herausforderung begriffen werden und sich so positiv auf Zusammenarbeit und Frieden auswirken. wird als Environmental Peacebuilding bezeichnet und vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen als “process of governing and managing natural resources and the environment to support durable peace“ definiert. Environmental Peacebuilding kann in zwei Arten unterschieden werden: Erstens, Frieden als Hauptziel, das heißt Umweltprojekte dienen explizit dazu, nachhaltigen Frieden zu fördern. Zweitens, Frieden als Nebeneffekt, das heißt, Maßnahmen in der Umweltzusammenarbeit tragen als verbindende Elemente auch zum Frieden bei. Obwohl sich Environmental Peacebuilding auch auf Umweltfragen im Allgemeinen anwenden lässt, fokussieren wir uns hier jedoch auf klimabedingte Umweltveränderungen, da diese, wie oben beschrieben, die internationalen Agenden beherrschen.

Beispielprojekte im Wassermanagment und zur Anpassung an den Klimwandel zeigen: Environmental Peacebuilding kann funktionieren

Am Beispiel von grenzüberschreitenden Flüssen und Seen zeigt sich, dass Kooperation zwischen Staaten die Regel ist, und vor Kriegen um Wasser zwar oft gewarnt wird, diese bisher jedoch die Ausnahme bleiben. Ein gutes Beispiel für die erste Art von Environmental Peacebuilding (Frieden als Hauptziel), ist das Projekt „Good Water Neighbors“ in Israel/Palästina. Im Rahmen des Projekts der Organisation EcoPeace Middle East arbeiteten Gemeinden aus Israel, dem Westjordanland, dem Gazastreifen und Jordanien zusammen, um sich gemeinsam dem Problem der Wasserknappheit zu stellen und lokale Wasserressourcen zu erhalten. Gleichzeitig wurden verschiedene Maßnahmen durchgeführt, um das gegenseitige Vertrauen und Verständnis zwischen den Gruppen zu erhöhen. Das Projekt gilt auch deshalb als so erfolgreich, weil die Zusammenarbeit auf kommunaler Ebene schlussendlich zu Kooperationen beim Wassermanagement auf zwischenstaatlicher Ebene geführt hat. Zum Beispiel entließ Israel 2013 zum ersten Mal seit 49 Jahren wieder Frischwasser aus dem See Genezareth in den Unteren Jordan. Zudem unterstütze das Projekt einen Wandel auf institutioneller Ebene: im gemeinsamen israelisch-jordanischen Wasserausschuss wurde ein Unterausschusses zur Sanierung des Jordans geschaffen.

Ein Beispiel für die zweite Art von Environmental Peacebuilding (Frieden als Nebeneffekt) ist das Projekt „Buena Milpa” in Guatemala, welches zeigt, dass Environmental Peacebuilding nicht nur ein Konzept zur Krisenprävention ist, sondern auch aktiv friedensfördernd wirken kann. Das Projekt nutzt die Wiedereinführung traditioneller dürre- und schädlingsresistenter Maissorten nicht nur als Maßnahme zur Anpassung an den Klimawandel, sondern auch zur Stärkung lokaler Institutionen (Frieden als Nebeneffekt), wie z.B. einer Saatenbank zur Verwaltung der Agrobiodiversität. Die Vernetzung der Dynamiken lokaler Akteur*innen mit dem weiteren institutionellen Governance Kontext hat hier Früchte getragen: In einer durch jahrzehntelange, gewaltsame Konflikte zerrissenen Gesellschaft wurden nicht nur erfolgreich Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel umgesetzt, sondern auch Ansätze zum Abbau von gegenseitigem Misstrauen zwischen den beteiligten Gemeinschaften verfolgt.

Umwelt und Frieden zusammendenken, Krisenprävention um Friedensförderung erweitern, Environmental Peacebuilding ressortübergreifend integrieren

Der Ansatz des Environmental Peacebuilding hat bisher weder in die deutsche Außen- und Sicherheitspolitik, noch in die Umwelt-, Wirtschafts- oder Entwicklungspolitik Einzug gehalten. Das ist eine verpasste Chance. Die ressortübergreifenden Leitlinien der Bundesregierung zu Krisen, Konflikten und Frieden warnen zwar in einem knappen Abschnitt zu „Bevölkerungsdynamik, Klimawandel und Naturkatastrophen“ vor dem Klimawandel als Risikoverstärker, versäumen es aber, Umweltfragen als Ansatzpunkte der Friedensförderung zu verstehen.  Environmental Peacebuilding bietet dabei das Potential, die rein negativ geprägten Narrative von „Krisenprävention“ aufzubrechen und um „Friedensförderung“ zu erweitern. Dies wäre besonders in Projekten mit Frieden als Hauptziel relevant, in denen Krisenprävention oft auf dem sogenannten „negativen Frieden“, also allein auf der Abwesenheit von Gewalt beruht. Der Einsatz von Environmental Peacebuilding könnte auf diesem Ansatz aufbauen. Environmental Peacebuiling macht nicht beim Erreichen des Minimums – der Abwesenheit von Gewalt – halt, sondern geht weiter und setzt auf zusätzliches Vertrauen und somit auf langfristigeren und nachhaltigen Frieden. Oder, um es in den Worten von Thomas L. Friedman (New York Times) auszudrücken: „The only source of lasting security is […] relationships of trust between neighbors that create healthy interdependencies — ecological and political. They are the hardest things to build, but also the hardest things to break once in place.”  Konkret bedeutet dies für die Bundesregierung, Umweltschutz, Entwicklungszusammenarbeit und Krisenprävention ressortübergreifend auf Environmental Peacebuilding auszurichten.

Um im Bild des einleitenden Sprichworts zu bleiben: Trocknet der See aus, hat der Fischer zwei Möglichkeiten: Entweder er verschafft sich und seiner Familie (gewaltvoll) Zugang zu alternativen Lebensgrundlagen und löst damit eine Kette der Gewalt aus. Oder alle Beteiligten  verstehen den Rückgang des Wasserstandes als gemeinsame Herausforderung und entwickeln Strategien, wie die Ressourcenknappheit zum Wohle aller überwunden werden kann. Dies führt wiederum zur Stärkung der Beziehungen zwischen den Gemeinschaften.

Auch Environmental Peacebuilding kritisch hinterfragen

Environmental Peacebuilding ermöglicht einen Perspektivwechsel weg von der reinen Wahrnehmung von Umweltveränderungen als unvermeidliche Konfliktverstärker, hin zur Wahrnehmung als Chance für Vertrauensaufbau und Zusammenarbeit.  Nichtsdestotrotz sollte der Ansatz nicht als Allheilmittel verstanden werden. Wie jedes Projekt im Bereich Entwicklungszusammenarbeit, Umweltschutz und  Krisenprävention, können auch Maßnahmen des Environmental Peacebuilding zu Entpolitisierung, Diskriminierung, Delegitimierung von Staaten und Vertreibung lokaler Gemeinschaften führen. So wurde zum Beispiel 1998 der Friedenspark Cordillera del Cóndor zur Unterstützung der Entmilitarisierung und der Vertrauensbildung zwischen Ecuador und Peru eingerichtet. Der Park überschneidet sich mit den Territorien der lokalen indigenen Bevölkerung, wurde aber ohne deren Konsultation demarkiert. Infolgedessen verloren die Menschen den (legalen) Zugang zu Gebieten in denen sie Lebensmittel, Holz und Heilpflanzen gesammelt haben. Diese Diskriminierung der indigenen Bevölkerung durch den Staat veranlasste lokalen Widerstand, schwächte die Legitimierung  des Staates und gefährdete die Lebensgrundlage der lokalen Bevölkerung.

Environmental Peacebuilding bei der deutschen EU-Ratspräsidentschaft mitdenken, Mittelkürzungen für zivile Gewaltprävention verhindern, friedensförderndes Potenzial von Umweltmaßnahmen herausstellen

Environmental Peacebuilding sollte daher integrativ und kontextspezifisch angewendet werden. Gelingt dies, so kann Environmental Peacebuilding sowohl zum Umweltschutz beitragen, als auch friedliche und kooperative Beziehungen fördern. Für die bevorstehende EU-Ratspräsidentschaft Deutschlands würde dies bedeuten, dass Deutschland sich für eine Stärkung der zivilen Krisenprävention, Friedensförderung und Menschenrechte einsetzt und hierbei Environmental Peacebuilding explizit mitdenkt. Konkret sollte Deutschland sich dafür stark machen, dass die Mittel für zivile Gewaltprävention und -transformation im mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) der EU (2021-2027) nicht wie geplant gekürzt und durch massive Investitionen in Sicherheit und Verteidigung ersetzt werden. Auch für die Berücksichtigung von Frieden als Nebeneffekt kann Deutschland sich im Kontext des European Green Deal und in der MFR Rubrik Natürliche Ressourcen und Umwelt einsetzen. Ähnlich wie das Konzept Umweltsicherheit, kann hier Environmental Peacebuilding den Umweltschutz als zunehmend erstrebenswertes, grenzüberschreitendes und damit verbindendes Ziel etablieren und in der Kohäsionspolitik der EU einen festen Platz erlangen. Als gutes Beispiel aus der EU Förderung ist das Danube Transnational Programme zu nennen. Dieses hat den wirtschaftlichen, sozialen und territorialen Zusammenhalt mit Maßnahmen des nachhaltigen und integrativen Wirtschaftens und des Umweltmanagements im gesamten Einzugsbereich der Donau und damit in diversen Postkonfliktgesellschaften im Osten Europas gestärkt. Derartige Ansätze fördern die Erarbeitung von gemeinsamen Lösungen, die zu gegenseitigen Abhängigkeiten und zum Aufbau von Vertrauen führen. Besonders in Zeiten von erstarkendem Populismus innerhalb der Grenzen der EU scheint es angemessen, die Haushaltmittel der EU Kohäsionspolitik eher zu erhöhen, als zu reduzieren. Fraglich ist auch die Ausrichtung der Europäischen Friedensfazilität (EFF) auf militärische oder verteidigungspolitische Schwerpunkte; zivile Gewaltprävention und Friedensförderung sollten viel stärker aufgenommen werden. Dabei sollte auf das friedensfördernde Potential von Umweltmaßnahmen zurückgegriffen werden. Ebenso kann Deutschland auf globaler Ebene seine derzeitige Mitgliedschaft im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen nutzen, um den Klimawandel nicht ausschließlich als Konflikttreiber darzustellen, sondern als gemeinsame Herausforderung und als Chance für Environmental Peacebuilding. Dies wäre ein starkes Zeichen in Richtung eines zukunftsfähigen Engagements der Bundesregierung, um die Sustainable Development Goals, insbesondere das 16. Ziel „Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen“, zu erreichen.

Dieser Beitrag ist in Erstveröffentlichung  auf dem PeaceLab-Blog erschienen. Ein Dank an die Autorin und den Autor sowie die Herausgebenden des PeaceLab-Blogs für die Erlaubnis zum Repost. 

Rebecca Froese ist wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Forschungsgruppe Landnutzungskonflikte und der Friedensakademie Rheinland-Pfalz an der Universität Koblenz-Landau. Für ihre Dissertation forscht sie zu Umweltgovernance und Landnutzungskonflikten an der Grenze von Brasilien, Bolivien                                                                             und Peru.

Jun.-Prof. Dr. Janpeter Schilling ist Klaus-Töpfer-Stiftungsjuniorprofessor für Landnutzungskonflikte am Institut für Umweltwissenschaften der Universität Koblenz-Landau und wissenschaftlicher Leiter der Friedensakademie Rheinland-Pfalz.

Fear for hunger not for COVID-19 in Kenya

by Rowan Alusiola

Alarmed by a potential rise in food insecurity during the COVID-19 pandemic, many developing countries are unable to mount special efforts to keep agriculture safely running as an essential business and markets well supplied in affordable and nutritious food. They are incapable to ensure food security for their most vulnerable people. The situation has led to civil unrest in Kenya and it is feared that its magnitude might increase.

It seemed like a myth to me when I heard about COVID-19 for the very first time in January. So far away, it felt. In Kenya, the first COVID-19 case was announced in early March 2020. This news scared me. I was worried about my family and like everyone else, I was terrified about the most vulnerable people and especially the urban slum dwellers. Several political and economic leaders have called out on global response to COVID-19. Recently, WHO held its 73rd World Health Assembly and the delegates approved a historic resolution for the world to   fight the COVID-19 pandemic together.

Lock downs and curfews have been declared across Africa. Businesses have been closed without clear mitigation measures to assist the affected owners, workers and their families. The African Union has published guidance on community social distancing. The guidelines are, however, too general. There is not any discussion about the most vulnerable. For people who do not have the luxury of bank savings, social distancing and stay at home measures are a clear threat to their lifeline of daily income. Such measures might be highly ineffective, as people are more likely to disobey the law than staying at home and go hungry. This has led to civil unrest in most African countries including Kenya to which governments have responded with violence for not obeying curfews and other restrictions. Slums in Kenya are the worst affected by the COVID-19 pandemic and the prevention  measures that have been put in place.

According to the Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO), currently, some 820 million people around the world are experiencing chronic hunger. FAO is particularly concerned about the pandemic’s impacts on vulnerable communities which are grappling with hunger or other crises – including the Desert Locust outbreak in the Horn of Africa. Kenya is a country most affected by the Locust outbreak. FAO has given recommendations to governments on how to handle the crisis. The COVID-19 pandemic will see more than a quarter of a billion people suffering from acute hunger by the end of the year, this is according to new figures from the World Food Programme. Additionally, Global land scape forum has organised a digital conference on food in the time of crises with an aim of future mitigation measures towards food insecurity and pandemic. Despite these advisories and conferences, severe hunger is already being experienced in Africa and most especially Kenya.

Kibera, an informal settlement located in the heart of Nairobi, is estimated to have a density of about 90,000–100,000 inhabitants per km2. The settlement has limited public space. This increases social interaction. Most people are self-employed, employed in the informal sector or get work on a day by day basis. None of those work opportunities provide a regular income. Almost all households can be characterised as vulnerable and poor. This  situation is also the same in  Mathare slum. The World Health Organization recommended preventive measures to limit the spread of COVID-19. However, those measures are often almost impossible to implement in this environment.

COVID-19 has made life more agonising for the Kibera slum dwellers who depend on a daily income. Most of them have skipped a meal or have eaten less in the past weeks because they did not have enough money to buy food. Spotting food distribution, dwellers tried to force their way through a gate outside a district office for a chance to grab the supplies to keep their families fed for another day. The incident left many people injured and hospitalised.   This reflects the dire situation that exists not just in Kibera but also other slums in Kenya as the resident’s surge for food aid.

Although the Constitution of the Republic of Kenya explicitly guarantees the right to adequate food for its citizens, no aid has yet been granted. It is unethical and distressing to keep vulnerable people in lockdown without having their basic needs covered. To help the urban poor the Kenyan government should prioritize providing basic needs, including fresh water and food. There is need to partner with existing community leadership and non-governmental organisations to form emergency planning committees in charting the appropriate response to the pandemic. Youth groups and other local existing groups could form a social media network for food and fund-raising activities. Finally, the Kenyan government should mobilize resources to expand their social safety nets, specifically to ease the effect on the most vulnerable population in urban areas who are living from hand-to- mouth. These measures will aid in not only ensuring that  people have sufficient and healthy food but also as an opportunity for the people to take the pandemic seriously and put into practice the measures that have been given out by the government.

Rowan Alumasa Alusiuolais is an Environmental Specialist with virtually 10 years of practical work experience in developing, managing and monitoring projects and policies within the East Africa Region. Her proficiency is in areas related to environmental conservation, climate change adaptation and mitigation, food security and community engagement. She has worked with several organizations including: CARE International in Kenya, World Vision, Tetra Tech and UNEP. She is an Alexander Von Humboldt Fellow for International Climate  Protection  for  the year 2020/ 2021 at Peace Academy. Her research focuses on the potential of REDD+ on conflict creation  in Kenya and minimising it while contributing to sustainable development at local level.

Von lokal bis global: Eine neue Perspektive auf den Zusammenhang zwischen Ressourcenmanagement und Konflikten

Von lokal bis global: Eine neue Perspektive auf den Zusammenhang zwischen Ressourcenmanagement und Konflikten

Von Janpeter Schilling, Christina Saulich und Nina Engwicht

In einem aktuellen Sonderheft der Fachzeitschrift Conflict, Security and Development gehen wir der Frage nach, wie globale und lokale Dynamiken von Rohstoffmanagement und Rohstoffkonflikten einander bedingen.

Wie beeinflussen globale Prozesse, wie die Nachfrage nach wertvollen Primärrohstoffen und die Zertifizierung von Wertschöpfungsketten, Ressourcen- und Konfliktdynamiken auf der lokalen Ebene betroffener Gesellschaften, und umgekehrt? Um diese Frage zu beantworten, haben wir in der Fachzeitschrift Conflict, Security and Development ein Sonderheft herausgegeben, das eine lokal-globale Perspektive zur Untersuchung von Ressourcenmanagement und Konflikten entwickelt.

Die von uns vorgeschlagene Perspektive stützt sich auf eine Auswertung der Fachliteratur zu den Themengebieten Ressourcenfluch, Umweltsicherheit und Landnahme in großem Stil. Alle drei Ansätze verfügen nur über eine begrenzte Aussagekraft in Bezug auf Konfliktdynamiken auf der lokalen Ebene. Die lokal-globale Perspektive, die wir im Rahmen der Sonderausgabe entwickeln und auf diverse Fallbeispiele anwenden, beginnt daher mit einer Analyse der relevanten Akteure von Ressourcen-Governance und Ressourcenkonflikten auf der lokalen Ebene  und wendet sich anschließend der nationalen, internationalen und globalen Ebene zu (siehe Bild unten).

Konkret nehmen die Perspektive und der dazugehörige Analyserahmen zunächst die zentralen Dimensionen und Akteure – einschließlich deren Motivationen und Fähigkeiten – von Ressourcenmanagement und -konflikt auf der lokalen Ebene in den Blick. Dadurch werden Unterschiede, Überschneidungen und Verflechtungen zwischen Governance- und Konfliktakteuren deutlich. Diese treten oftmals  gleichzeitig in mehreren Rollen mit divergierenden Interessen in Erscheinung – zum Beispiel als Konfliktakteur und Staatsvertreter.

Lokal-globaler Analyserahmen

In einem zweiten Schritt erweitern wir unseren Fokus vertikal auf relevante Akteure und Prozesse über die lokale Ebene hinaus. Dies ermöglicht, die Beziehungen zwischen Akteuren von der lokalen bis zur globalen Ebene zu untersuchen und zu verstehen. Konkret wird herausgearbeitet, wie Ressourcen- und Konfliktdynamiken auf lokaler Ebene Prozesse und Akteure auf  der subnationalen Ebenen (z.B. Kreisverwaltung), auf nationaler Ebene (z.B. Zentralregierung, inländische Unternehmen, nationale Nichtregierungsorganisationen), auf internationaler Ebene (z.B. Sitz internationaler Unternehmen, internationale Geber, zwischenstaatliche Organisationen) und auf globaler Ebene (z.B. Klimawandel, globale Ressourcennachfrage, internationale Regulierungsmechanismen) beeinflussen.

In einem letzten Schritt betrachten wir, wie sich Prozesse auf globaler, internationaler und nationaler Ebene auf lokale Konflikt- und Ressourcendynamiken auswirken. Diese duale Analyse von lokal zu global und global zu lokal ist gewinnbringend für die Entwicklung von Strategien zur Konfliktentschärfung.

Was bedeutet diese Perspektive für die Praxis? Die Sonderausgabe enthält fünf Artikel, die den beschriebenen Analyserahmen auf Fallstudien in Subsahara-Afrika, Lateinamerika und Südostasien anwenden. Diese heben zwei wichtige Erkenntnisse hervor.

Erstens, internationale und nationale Unternehmen arbeiten oft Hand in Hand mit nationalen Regierungen, um Ressourcen zu gewinnen. Auf lokaler Ebene profitieren oft nur die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Eliten, während die Mehrheit der lokalen Bevölkerung kaum Möglichkeiten hat, die Ressourcennutzung zu beeinflussen. Sie bleibt weitgehend von Profiten ausgeschlossen und ist den negativen Auswirkungen der Ressourcengewinnung ausgesetzt.

In Kambodscha gründete beispielsweise ein europäisches Unternehmen eine große Kautschukplantage. Die entsprechende Konzession wurde dem Investor von der Zentralregierung erteilt. Der Protest lokaler Gemeinschaften konnten die darauf folgenden Enteignungsprozesse nicht verhindern. Das lag auch daran, dass nach Jahren des Bürgerkriegs und der Vertreibung der gesellschaftliche Zusammenhalt fehlte, der es der lokalen Bevölkerung ermöglicht hätte, dem Unternehmen und der Zentralregierung entschlossen und effektiv entgegentreten zu können.

In Äthiopien erklärte die Zentralregierung von den Viehhaltern genutztes Land im Maji-Gebiet als “unbewohnt” und lud Investoren ein, das Land in großem Stil zu pachten. Dies führte zu gewalttätigen Konflikten zwischen Regierungskräften und Viehhaltern. Im Nordwesten Kenias sind die Konflikte zwischen Ölgesellschaften und lokalen Gemeinschaften weniger durch die Ressource Land verursacht, sondern vielmehr durch fehlende Beschäftigungsmöglichkeiten im Ölsektor. Dies führt dazu, dass sich die lokale Bevölkerung von den Profiten aus dem Ressourcenabbau ausgeschlossen fühlt.

Sowohl in Äthiopien als auch in Kenia überschneiden sich die, eher neuen, Konfliktdynamiken mit bereits bestehenden Gewaltkonflikten zwischen Viehhaltergruppen. Als die Unternehmen in ihr Gebiet eindrangen, nutzten die lokalen Gruppen ihre, in früheren Konflikten entwickelten Fähigkeiten (Erfahrung, Arbeitskräfte, Waffen, Angriffstaktiken), um sich den Investoren entgegenzustellen. In Kenia blockierten zum Beispiel Gemeindemitglieder die Zufahrtswege zu Ölförderanlagen, und forderten das Unternehmen auf, den Beschäftigungsanteil der lokalen Bevölkerung zu erhöhen.

Die zweite Erkenntnis legt nahe, dass Systeme zur globalen Rohstoffzertifizierung sich oft auf ambivalente Weise auf lokale Gemeinschaften auswirken. In Costa Rica könnte das globale Programm “Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation” (REDD+) das Konfliktpotenzial zwischen Akteuren, die Wälder für den Klimaschutz erhalten wollen und Gemeinschaften, die Wälder für ihren Lebensunterhalt benötigen, potentiell erhöhen. Andererseits bietet REDD+ indigenen Völkern eine Plattform, um in Dialog mit der Nationalregierung zu treten.

In Sierra Leone wurde ein globales System zur Zertifizierung von Diamanten nur partiell umgesetzt, da lokale Normen, Gebräuche und Machtverhältnisse einen genuinen institutionellen Wandel verhinderten. Das Zertifizierungssystem hat jedoch dazu beigetragen, die Belästigung, Erpressung und Gewalt gegenüber illegalen Kleinbergbauern und Händlern zu reduzieren.

Diese Beispiele zeigen, dass die Analyse lokaler Ressourcen- und Konfliktdynamiken essentiell ist, um zu verstehen, wie der globale Bedarf an Ressourcen, wie Land und Öl, sowie globale Zertifizierungssysteme für Wälder und Diamanten die lokale Ebene beeinflussen können – und umgekehrt. Auf dieser Grundlage ist es Organisationen und Regierungen möglich, nachhaltige und realistische Strategien zur Konfliktprävention und -bearbeitung zu entwickeln. Wie diese aussehen können, ist in der frei verfügbaren Sonderausgabe  beschrieben.

 

Janpeter Schilling ist Klaus-Töpfer-Stiftungsjuniorprofessor für Landnutzungskonflikte am Institut für Umweltwissenschaften der Universität Koblenz-Landau und Geschäftsführer der Friedensakademie Rheinland-Pfalz.

 

Christina Saulich ist wissenschaftliche Mitarbeiterin und Projektkoordinatorin an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin und affiliiertes Mitglied der Friedensakademie Rheinland-Pfalz. In ihrer  wissenschaftlichen Arbeit führt sie Fragen der  Entwicklungsforschung und der Friedens- und Konfliktforschung zusammen.

 

Nina Engwicht ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Friedensakademie Rheinland-Pfalz. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich mit  Ressourcensektorreform und illegalen Märkten im Übergang von Krieg zu Frieden.