Archiv der Kategorie: Friedensinitiativen stellen sich vor

Bildungs- und Begegnungsstätte “Givat Haviva”

“Givat Haviva – The Center for a Shared Society”

Von Torsten Reibold

Givat Haviva ist die 1949 von der Kibbutzbewegung Ha´Kibbutz Ha´artzi gegründete nationale Bildungs- und Begegnungsstätte. Benannt ist sie nach der jüdischen Widerstandskämpferin Haviva Reik, die ein Mitglied der Kibbutzbewegung war.

Während Givat Haviva in seiner Anfangszeit vor allem als das nationale Bildungszentrum der Bewegung diente, wurde bereits im Jahre 1963 das jüdisch-arabische Zentrum für den Frieden (JACP) gegründet. Diese Gründung war eine Reaktion auf die Erkenntnis, dass der Anspruch der Kibbutzbewegung, Freiheit und Gleichheit für alle Staatsbürger zu erreichen, im Gegensatz zur offensichtlichen politischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Ungleichheit zwischen jüdischen und arabischen Israelis stand. Ab diesem Zeitpunkt nahm die Arbeit Givat Havivas als führende Einrichtung für den Ausgleich zwischen Juden und Arabern in Israel, die Förderung der Demokratie und der zivilen Konfliktbearbeitung ihren Anfang. Im Jahr 2015 gab sich Givat Haviva darüber hinaus den Untertitel The Center for a Shared Society. So wird Givat Havivas Mission deutlich, eine gemeinsam gestaltete, inklusive und demokratische Zivilgesellschaft zu schaffen, in der sich alle ihre Mitglieder gleichsam zuhause fühlen und Verantwortung für die Wohlfahrt der Gesellschaft übernehmen. Im Shared Society Programmcluster bündelt Givat Haviva seine vielfältigen pädagogischen, edukativen, zivilgesellschaftlichen und politischen Einzelprojekte und führt sie inhaltlich und pädagogisch zu einem wirkungsvollen und schlagkräftigen Programmbündel zusammen.

Givat Haviva leistet Verständigungsarbeit zwischen Arabern und Juden und fördert das Zusammenleben beider Bevölkerungsgruppen in Israel. In den zahlreichen Projekten haben beide Seiten oft zum ersten Mal die Gelegenheit, sich gegenseitig kennenzlernen und Erfahrungen auszutauschen. Ziel der Projekte ist es, Vorurteile abzubauen und das Verständnis für die gemeinsame Verantwortung aller Israelis für die Zukunft in einer gerechten und demokratischen Gesellschaft zu fördern. Givat Haviva geht bei der Gleichberechtigung selbst mit gutem Beispiel voran: Die Projektteams und viele Leitungspositionen sind, wenn immer möglich, sowohl geschlechterparitätisch als auch gleich mit Juden und Arabern besetzt. Neben dem jüdisch-arabischen Zentrum für den Frieden existieren auf dem Campus auch ein Kunstzentrum, ein Frauenzentrum, das die spezifisch frauen- und genderpolitischen Projekte Givat Havivas entwirft und umsetzt, das CoLab, ein Campus, für internationale Partnerschaften sowie weitere jüdische und arabische Institutionen der Zivilgesellschaft, die sich bei Givat Haviva niederlassen möchten, sowie ein renommiertes Zentrum für arabische Sprache und Kultur. Als genuine Teile der Kibbutzbewegung existieren daneben noch Archive zur Dokumentation des Widerstands während der Shoa und der Jugendbewegung Hashomer Hatzair sowie die Friedensbibliothek, eine der größten nichtstaatlichen privaten Bibliotheken in Israel mit Focus auf die Geschichte Israels und des Nahen Ostens sowie Friedenspädagogik. Im Sommer 2018 öffnete auf dem Campus zusätzlich die Givat Haviva International School: ein internationales Oberstufeninternat nach IB-Standard.

Über 50.000 Menschen aus Israel und aller Welt, Schülergruppen, Bildungsreisende, Studierendengruppen, sowie die tausenden Teilnehmer und Teilnehmerinnen der gesellschaftspolitischen Projekte besuchen jedes Jahr den Campus und lernen zu Demokratie, Frieden und Gerechtigkeit. Für die unentwegte Arbeit im Konfliktmanagement wurde Givat Haviva im Jahre 2001 mit dem UNESCO Prize for Peace Education ausgezeichnet. Viele weitere Auszeichnungen, wie der Albert Schweizer Award for Excellence der Chapman University, Kalifornien, der Chaim Konstantiner-Preis für Erziehung der Universität Tel Aviv oder der Intercultural Achievement Award der Republik Österreich kamen im Laufe der Jahre hinzu. Im November 2015 wurde außerdem zwei Bürgermeistern aus Givat Havivas Shared Communities Projekt, stellvertretend für alle Beteiligten, der Menschenrechtspreis der Friedrich Ebert Stiftung zuerkannt.

Nähere Informationen:
http://www.givathaviva.org/

Pfälzer Initiative “Entrüstet Euch!”

Pfälzer Initiative “Entrüstet Euch!”

Von Helmut Schmidt

Unsere Initiative wurde Anfang 2016 in Kaiserslautern gegründet. Viele in unserer Gruppe sind schon lange in der Friedensbewegung aktiv, manche aber auch erst seit kurzer Zeit – und wir freuen uns über jede(n) weitere(n) Mitstreiter(in).

Unser zentrales Ziel ist es, eine umfassende Abrüstung bei uns in der Region, in Deutschland und weltweit zu erreichen. Der alte Slogan aus den 1970er Jahren: Rüstung tötet täglich – ist leider wieder sehr aktuell geworden. Die erhoffte Minderung der weltweiten Rüstungsausgaben durch das Ende des Kalten Krieges 1991 ist leider nicht eingetreten. Im Gegenteil – und die durch neuerliche Hochrüstung ‘verschwendeten‘ Mittel fehlen mehr denn je für eine gerechte und humane Politik, sei es bei uns oder auch weltweit.

Konkret wollen wir vor Ort die Bürgerinnen und Bürger aufklären über die Bedeutung von Militärbasen in ganz Deutschland. Im Fokus haben wir dabei insbesondere die US-Airbase Ramstein in der Nähe von Kaiserslautern. Auf dieser Airbase Ramstein befindet sich nicht nur die für den weltweiten mörderischen Drohnenkrieg der USA notwendige Relaisstation, sondern auch die Befehlszentrale für das US-Raketenabwehrschild und für die Koordinierung der völkerrechtswidrigen Kriegsaktionen der US-Armee.

Ein weiterer Punkt neben der Aufklärung über diese militärischen Fakten ist die aus unserer Sicht notwendige Konversion. Das biblische Motto ‘Schwerter zu Pflugscharen’ gibt auf bildliche Weise sehr gut wieder, was auch unser Ziel ist: Waffen und Militäranlagen sollen umgewandelt werden in zivile Güter und zivile Infrastruktur, die für das Leben allgemein und für die Entwicklung unserer Region speziell sehr hilfreich sind.

Wir distanzieren uns ganz entschieden von der imperialen Machtpolitik der USA und der Nato – selbstverständlich aber auch genauso von der Militarisierung Deutschlands und von der im Aufbau befindlichen EU-Militärmacht. Wir fordern ein Russland einschließendes Friedens- und Sicherheitskonzept, sodass der Bau des gemeinsamen, europäischen Hauses endlich begonnen werden kann.

Die nächsten Veranstaltungen, bei denen man die Pfälzer Initiative “Entrüstet Euch!” kennenlernen kann sind: der Ostermarsch am 20. April 2019 in Kaiserslautern, der Vortrag “Militär und Umwelt” am 24. Mai 2019, der Vortrag “Neue atomare Bedrohung” am 13. Juni und die Aktionswoche “Stopp Airbase Ramstein” vom 23. Juni bis 30. Juni 2019. Weitere Informationen – Veranstaltungen, Termine, Links – findet man auf unserer Homepage.